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Leseranfrage

Schutzart für die Steckdosen einer Zimmerei

Ausgabe 4/2010

Kürzlich haben wir in einer Zimmerei AP-Steckdosen der Schutzart IP44 installiert, die alle namhaften Hersteller so als Feuchtraum-Schutzkontaktsteckdosen für die Aufputz-Montage anbieten. Dann wieß uns der technische Leiter der Zimmerei darauf hin, dass für Zimmerein eine Forderung nach Steckdosen der Schutzart IP54 besteht. Diese Forderung käme von der zuständigen Berufsgenossenschaft.

 Gibt diese Vorschrift in den VDE-Richtlinien oder VDS-Vorschriften?

Zimmereien und Schreinereien gehören zu

den Räumen und Orten in denen ein besonderes

Brandrisiko besteht, d. h. sie zählen

zu den feuergefährdeten Betriebsstätten. Gemäß

DIN VDE 0100-482 (VDE 0100-482) [1]

können das solche Räume sein, bei denen ein

erhöhtes Brandrisiko durch die gelagerten

oder zu verarbeiteten Materialien entstehen

kann. Hierzu zählt auch und insbesondere die

Ansammlung von Staub, was beispielsweise

in Scheunen, Holzverarbeitungswerkstätten,

Papier- und Textilfabriken oder ähnlichen Bereichen

gegeben ist. Im Abschnitt 482.1.3 von

[1] ist festgelegt, dass die installierten elektrischen

Betriebsmittel für feuergefährdete

Betriebsstätten geeignet sein müssen und

mindestens der Schutzart IP5X entsprechen

müssen, wenn mit möglicher Ansammlung

von Staub und/oder Fasern zu rechnen ist.

Wenn das Betriebsmittel selbst diese Schutzart

nicht erfüllen kann, dann muss das Betriebsmittel

in ein Gehäuse mit entsprechender

Schutzart eingebaut werden. Diese Möglichkeit

dürfte sich bei Steckdosen ausschließen.
Da in dem in der Frage angeführten Betrieb mit

einer erhöhten Ansammlung von Staub gerechnet

werden muss, ergibt sich also, dass

die Steckdosen (und alle andern elektrischen

Betriebsmittel auch) mindestens der Schutzart

IP5X entsprechen müssen. Da Wasserschutz

hierbei keine vordergründige Rolle

spielt, ist der Hinweis auf die Verwendung von

„Feuchtraum-Steckdosen“ nicht relevant.
In solchen Bereichen ist in erster Linie der

Fremdkörperschutz (d. h. Staubschutz) von

Bedeutung, daher gibt es auch nur für die

erste Datenstellung eine Festlegung in der

Norm. Die zweite Datenstelle (Wasserschutz)

muss entsprechend den zu erwartenden

Umgebungsbedingungen ausgewählt werden.

Der Schutzgrad IPX4 wäre sicher nicht unbedingt

notwendig. Vermutlich wird es aber bei

IP5X nur solche Steckdosen mit mindestens

IP54 geben, wobei die höhere Wasserschutzart

nicht nachteilig ist.
Lediglich in solchen Bereichen, in denen die

erhöhte Feuergefährdung durch andere leicht

entzündliche Stoffe (andere als Staub und/

oder Fasern) entsteht, reicht als Mindestschutzart

IP4X aus (siehe diesbezüglich die

nationale „Grauschattierung“ in Abschnitt

482.1.3 von [1]).
Ob es seitens der BG oder des VdS (außer

der Richtlinie zur Schadenverhütung VdS

2033 „Feuergefährdete Betriebsstätten und

gleichzustellende Risiken“ [2]) noch weitergehende

Forderungen gibt, ist mir nicht

bekannt. Es sei aber auch noch darauf

hingewiesen, dass es neben der Festlegung

der Schutzart noch weitergehende Festlegungen

in der Norm [1] gibt, z. B. die

Forderung nach Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen

(RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom

IΔN ≤ 300 mA für alle Stromkreise.

Jedoch gelten auch hier die Anforderungen

aus der DIN VDE 0100-410 [3] bezüglich

des zusätzlichen Schutzes durch Fehlerstrom-

Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem

Bemessungsdifferenzstrom von maximal

30 mA für Steckdosen bis 20 A. Für Steckdosen

zur Verwendung von tragbaren Betriebsmitteln

im Freien liegt die Grenze für

den Bemessungsstrom bei 32 A.

Literatur:

DIN VDE 0100-482 (VDE 0100-482):2003-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4: Schutzmaßnahmen – Kapitel 48: Auswahl von Schutzmaßnahmen – Hauptabschnitt 482: Brandschutz bei besonderen Risiken oder Gefahren.

VdS 2033:2007-09 Elektrische Anlagen in feuergefährdete Betriebsstätten und diesen gleichzustellende Risiken; Richtlinien zur Schadenverhütung.

DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410:2007-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Schutzmaßnahmen, Schutz gegen elektrischen Schlag.