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Leseranfrage

Schutzleiterströme bei umrichtergespeisten Maschinen

Ausgabe 3/2011

Unser Unternehmen produziert Werkzeugmaschinen für die Bearbeitung von Solarzellen. In diesen Maschinen kommen Frequenzumformer und Netzfilter zum Einsatz. Somit haben wir häufig Auseinandersetzungen mit unseren Kunden, die einen RCD als Schutz einbauen möchten und damit Probleme haben. Mir ist bekannt, dass es dafür RCDs vom Typ B und auch Ableitstromkompensation sowie ableitstromarme Netzfilter gibt 

Wo ist der elektrische Anschluss derartiger Maschinen geregelt?
Ist explizit das Vorhandensein einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung vorgeschrieben?
Wird dabei unterschieden, ob die Maschine z. B. einen CEE-Stecker hat oder fest angeschlossen wird?
Wer muss die erforderlichen Komponenten bereitstellen, der Maschinenlieferant oder der Anlagenbetreiber?

Wie in dieser Anfrage bereits ausgeführt,

gilt Folgendes: Ist in einer elektrischen Anlage

eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD)

notwendig, dann müssen für die Stromkreise,

in denen Gleichfehlerströme oder aber höherfrequente

Fehlerströme auftreten können,

Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) vom

Typ B oder vom Typ B+ (allstromsensitiv) ausgewählt

werden.

Aussagen und Festlegungen zu umrichtergespeisten

Antrieben sind in den Normen der

Reihe DIN EN 61800 (VDE 0160) sowie auch

in DIN VDE 0160 (VDE 0160) enthalten. Insbesondere

ist DIN EN 61800-5-1 (VDE 0160-

105-1) [1] von Bedeutung. Daneben sind

natürlich auch die Normen der Reihe DIN VDE

0100 (VDE 0100) zu beachten, insbesondere

DIN VDE 0100-510 [2] und DIN VDE 0100-

540 [3], in denen Aussagen zu den zulässigen

Ableitströmen sowie den notwendigen Maßnahmen

in der elektrischen Anlage enthalten

sind. Auch DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [4]

ist bei elektrischen Maschinen in den meisten

Fällen, wie in der Anfrage beschrieben, mit zu

beachten.

Eine Forderung nach Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen

(RCDs) ist in den Normen leider

nicht zentral aufgeführt, sodass man sich

mühsam durch die Vielzahl von Normen durchkämpfen

muss. Somit lässt sich eine allumfassende

Aufstellung auch an dieser Stelle

nicht realisieren. Dennoch kann eine einigermaßen

vollständige Aufstellung notwendiger

Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) der

VDE-Schriftenreihe, Band 140, auf den Seiten

164 bis 170 entnommen werden [5].

Als globaler Überblick für die Notwendigkeit

von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) –

bezogen auf die in der Anfrage beschriebene Art

von elektrischen Anlagen/Maschinen – soll

die folgende Aufzählung dienen:

 Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) sind

gefordert oder können alternativ notwendig

sein:

  •  in TT-Systemen für den Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung (ohne fest vorgegebenen Wert für den Bemessungsdifferenzstrom, siehe jedoch die beiden folgenden Aufzählungsstriche);
  • in feuergefährdeten Betriebsstätten (Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 300 mA);
  • für alle neuen Steckdosen (auch für Drehstromsteckdosen) im Innenbereich von Gebäuden mit einem Bemessungsstrom bis 20 A sowie für alle Stromkreise von Steckdosen (einschließlich Drehstrom), bzw. für, beim Betrieb in der Hand gehaltene, fest angeschlossene Verbrauchsmittel im Außenbereich mit einem Bemessungsstrom bis 32 A – der Bemessungsdifferenzstrom der RCDs darf in beiden Fällen nicht größer als 30 mA sein.

Bei elektrischen Maschinen, für die [4] anzuwenden

ist, gibt es die Forderung nach

Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) für

Steckdosen nicht, wenn sie hinter der Netz-

Trenneinrichtung angeschlossen sind. In der

im Entwurf befindlichen neuen DIN EN

60204-1 (VDE 0113-1) wird es eine solche

Forderung, zumindest für bestimme Steckdosen, geben. Wird eine Maschine jedoch in

eine Steckdose in der elektrischen Anlage

eingesteckt, werden die zuvor angeführten

Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) gefordert.

Darüber hinaus können in Bereichen mit besonderer

Gefährdung (für die in der Frage beschriebenen

elektrischen Anlagen/Maschinen

vermutlich nicht zutreffend) Fehlerstrom-

Schutzeinrichtungen (RCDs) gefordert sein.

Bedeutung der Anschlussvariante. Sowohl

bei den in einigen Fällen notwendigen Fehlerstrom-

Schutzeinrichtungen (RCDs) als auch

bei den zulässigen Schutzleiterströmen gibt

es Unterschiede zwischen Anschluss über

Stecker und Festanschluss, nicht jedoch bei

der Art der Steckvorrichtung.

Beispielsweise ist es in TT-Systemen nur bedingt

von Bedeutung (allenfalls bezüglich des

Bemessungsdifferenzstroms) ob ein Festanschluss

oder aber ein Anschluss über Stecker

realisiert wird. Dagegen kann in TN-Systemen

bei Festanschluss in den meisten Fällen auf

Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) verzichtet

werden.

Bei den zulässigen Schutzleiterströmen (Ableitströmen),

die z. B. durch Netzfilter verursacht

werden, sind bei Festanschluss höhere

Schutzleiterströme zulässig als bei Anschluss

über Stecker.

Bereitstellung notwendiger Fehlerstrom-

Schutzeinrichtungen (RCDs). Fakt ist, dass

notwendige Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen

(RCDs) in den meisten Fällen nicht Gegenstand

des Lieferumfanges der Maschine

sind – es sei denn, es gibt hierfür Vorgaben in

den relevanten Betriebsmittelnormen. Solche

Vorgaben sind mir aber nicht bekannt. Auch

bei den Netzfiltern kann eine grundsätzliche

Aussage nicht getroffen werden. Aus meiner

Sicht ist dies Sache der Vertragsvereinbarungen.

Unabhängig davon, ob etwas vereinbart

wird, müssen die zuvor in den Aufzählungspunkten

angeführten Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen

(RCDs) in der elektrischen Anlage

vorhanden sein bzw. bei einer Neuerrichtung

vorgesehen werden. Allerdings sind diese

Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) aber

nicht Sache des Maschinenlieferanten – es

sei denn, der betreffende Stromkreis ist mit

im Lieferumfang enthalten.

Fazit. Eine genauere Aussage zu den in der

Anfrage beschriebenen Problemen kann nur

bei genauerer Kenntnis der Art der Maschinen,

der Art des Anschlusses (Stecker oder

fest) und dem Einsatz in den Systemen nach

Art der Erdverbindung usw. gemacht werden.

Sicher wird es jedoch keine allgemein gültigen

Aussagen geben.

Literatur:

DIN EN 61800-5-1 (VDE 0160-105-1):2008-04 Elektrische Leistungsantriebssysteme mit einstellbarer Drehzahl – Teil 5-1: Anforderungen an die Sicherheit – Elektrische, thermische und energetische Anforderungen.

DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510):2011-03 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5- 51: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebs- mittel – Allgemeine Bestimmungen.

DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540):2007-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5- 54: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel - Erdungsanlagen, Schutzleiter und Schutzpotentialausgleichsleiter.

DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2007-06 Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.

Hörmann, W.; Schröder, B.: Schutz gegen elektrischen Schlag in Niederspannungsanlagen. VDE-Schriftenreihe, Band 140, 4. Auflage. Berlin: VDE-Verlag 2010.