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Leseranfrage

Entladungslampen an Vorschaltgeräten mit anderer Nennleistung

Ausgabe 3/2011

Im Zusemmenhang mit einem umweltbewussten Einsatz von Leuchtmitteln ergibt sich folgende Frage, zu der ich trotz Recherche keine Antwort finden konnte: Ist es möglich, ein mit einem Vorschaltgerät betriebenes Leuchtmittel (70 W CDM-T mit Fassung G12) gegen eine anderes Leuchtmittel (35 W CDM-T) auszutauschen, ohne das Vorschaltgerät wechseln zu müssen?

Ohne das betreffende Vorschaltgerät zu

kennen, muss ich dem Anfragenden mitteilen, dass das Betreiben von Entladungslampen an Vorschaltgeräten anderer Nennleistung

grundsätzlich nicht möglich ist. In der

Regel würde dies mit dem Überlasten der

Lampe sowie allen sich daraus ergebenden

Folgen enden – also sehr frühzeitigem Ausfall

der Lampe und unter Umständen gefährlichen

Zuständen, abhängig davon, wie die Lampe

auf starke Überlastung reagiert, ob sie etwa

zerplatzt, zersplittert und Spannung führende

Teile berührbar werden lässt.

Eine Energie-Ersparnis tritt kaum ein und es

kann auch das Gegenteil der Fall sein. Des -

wegen ist grundsätzlich für eine bestimmte

Entladungslampe ein bestimmtes Vorschaltgerät

gleicher Nennleistung zu verwenden und

umgekehrt. Jedoch gibt es diesbezüglich die

folgenden Ausnahmen:

  •  Multi-Watt-EVG für verschiedene T5-Lampen gleicher Abmessungen, jedoch mit unterschiedlichen Leistungsstufen. Diese sind allerdings mit einer besonderen Elektronik ausgestattet, welche die unterschied - lichen Eigenschaften der Leuchtmittel erkennt.
  • Einige VVG für kleinere Leuchtstofflampen, die im physikalischen Sinne auch zu den Gas-Entladungslampen zählen, da auch hier der Leuchtstoff durch eine Entladung zum Leuchten gebracht wird. Siehe hierzu den ep-Beitrag „Tandemschaltung für Leuchtstofflampen“ [1].

Die hier formulierte Fragestellung ist jedoch

nicht neu. Ein anderer Leser wollte „an einem

Vorschaltgerät einer 400-W-Natriumdampflampe

eine 250-W-Natriumdampflampe anschließen“

und meinte, „damit würde das

Vorschaltgerät nur zu 62,5 % ausgelastet.“

Das Missverständnis rührt wahrscheinlich

von den Transformatoren her, auch z. B.

Halogenlampen-Transformatoren, die ja nicht

zwangsläufig mit voller Nennlast betrieben

werden müssen, sondern an die getrost auch

weniger angeschlossen werden kann – dabei

spart man unter Umständen sogar noch

mehr als die nicht angeschlossene Last ein,

da sich ein günstigerer Arbeitspunkt einstellen

kann.

Eben dies ist bei Vorschaltgeräten anders.

Diese werden erforderlich, weil die Gasstrecke in einer Entladungslampe ja alles

andere als eine lineare Charakteristik aufweist.

Vielmehr scheinen diese das Ohmsche

Gesetz auf den Kopf zu stellen. Sie

haben so zu sagen einen negativen Widerstand:

Je höher der Strom, desto kleiner ist der

Spannungsfall an einer solchen Lampe.

Aufgrund dieser Charakteristik lassen sich

Gas-Entladungslampen gar nicht direkt an

einer Spannungsquelle betreiben. Der Strom

würde sonst lawinenartig anwachsen bis es

zum großen Knall kommt. Aufgabe des Vorschaltgeräts

ist es, den Strom einigermaßen

konstant zu halten oder doch wenigstens zu

begrenzen. Der Spannungsfall an der Lampe

stellt sich dann entsprechend ein, denn im

Gegensatz zu einem Transformator liegt ein

einfaches induktives Vorschaltgerät in Reihe

zur Last

 Bei einem elektronischen Vorschaltgerät ist

das etwas komplizierter, aber auch dieses ist

speziell auf den Nennstrom der Lampe und

den sich bei diesem Strom einstellenden

Spannungsfall ausgelegt.

Es ist also nicht korrekt, zu behaupten, dass

das Vorschaltgerät für die 70-W-Lampe mit

der 35-W-Lampe nur zu 50 % ausgelastet

wird. Vielmehr gibt es einen bestimmten

Strom vor, sodass eher die 35-W-Lampe, grob

gesagt, zu 200 % „ausgelastet“ ist. Je nach

Nennstrom der Lampen, die der Anfragende

hier gegeneinander austauschen möchte,

kann es etwas weniger, aber auch noch mehr

sein. Das ist ungesund für alle Beteiligten

und spart auch keine Energie.

Was alternativ möglich wäre, um Energie zu

sparen, ist eine begrenzte Absenkung der Betriebsspannung,

wenn es sich um induktive

Vorschaltgeräte handelt, wie in dem ep-

 

Beitrag „VVG – Vorschaltgeräte in der Beleuchtungstechnik“

[2] sowie auch im Internet

unter leonardo-web.org/de/licht

beschrieben.

Diese Methode ist auch auf Gas-Entladungslampen

anwendbar. Sowohl die Lampen als

auch vor allem die VVG verschiebt man hiermit

in einen günstigeren Betriebspunkt. Insbesondere

in der Straßenbeleuchtung wird

diese Methode häufig eingesetzt. Bei EVG

wiederum kommt es darauf an, was für eine

Regelung eingebaut ist. Für gewöhnlich hat

eine solche Absenkung bei Verwendung

von EVG jedoch nur wenig oder gar keinen

Effekt.

Literatur:

Fassbinder, S.: Tandemschaltung für Leuchtstofflampen. Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 12; S. 1023–1028.

Fassbinder, S.: VVG – Vorschaltgeräte in der Beleuchtungstechnik. Elektropraktiker, Berlin 59 (2005) 4; S. 284–287.