Entladungslampen an Vorschaltgeräten mit anderer Nennleistung
Im Zusemmenhang mit einem umweltbewussten Einsatz von Leuchtmitteln ergibt sich folgende Frage, zu der ich trotz Recherche keine Antwort finden konnte: Ist es möglich, ein mit einem Vorschaltgerät betriebenes Leuchtmittel (70 W CDM-T mit Fassung G12) gegen eine anderes Leuchtmittel (35 W CDM-T) auszutauschen, ohne das Vorschaltgerät wechseln zu müssen?
Ohne das betreffende Vorschaltgerät zu
kennen, muss ich dem Anfragenden mitteilen, dass das Betreiben von Entladungslampen an Vorschaltgeräten anderer Nennleistung
grundsätzlich nicht möglich ist. In der
Regel würde dies mit dem Überlasten der
Lampe sowie allen sich daraus ergebenden
Folgen enden – also sehr frühzeitigem Ausfall
der Lampe und unter Umständen gefährlichen
Zuständen, abhängig davon, wie die Lampe
auf starke Überlastung reagiert, ob sie etwa
zerplatzt, zersplittert und Spannung führende
Teile berührbar werden lässt.
Eine Energie-Ersparnis tritt kaum ein und es
kann auch das Gegenteil der Fall sein. Des -
wegen ist grundsätzlich für eine bestimmte
Entladungslampe ein bestimmtes Vorschaltgerät
gleicher Nennleistung zu verwenden und
umgekehrt. Jedoch gibt es diesbezüglich die
folgenden Ausnahmen:
- Multi-Watt-EVG für verschiedene T5-Lampen gleicher Abmessungen, jedoch mit unterschiedlichen Leistungsstufen. Diese sind allerdings mit einer besonderen Elektronik ausgestattet, welche die unterschied - lichen Eigenschaften der Leuchtmittel erkennt.
- Einige VVG für kleinere Leuchtstofflampen, die im physikalischen Sinne auch zu den Gas-Entladungslampen zählen, da auch hier der Leuchtstoff durch eine Entladung zum Leuchten gebracht wird. Siehe hierzu den ep-Beitrag „Tandemschaltung für Leuchtstofflampen“ [1].
Die hier formulierte Fragestellung ist jedoch
nicht neu. Ein anderer Leser wollte „an einem
Vorschaltgerät einer 400-W-Natriumdampflampe
eine 250-W-Natriumdampflampe anschließen“
und meinte, „damit würde das
Vorschaltgerät nur zu 62,5 % ausgelastet.“
Das Missverständnis rührt wahrscheinlich
von den Transformatoren her, auch z. B.
Halogenlampen-Transformatoren, die ja nicht
zwangsläufig mit voller Nennlast betrieben
werden müssen, sondern an die getrost auch
weniger angeschlossen werden kann – dabei
spart man unter Umständen sogar noch
mehr als die nicht angeschlossene Last ein,
da sich ein günstigerer Arbeitspunkt einstellen
kann.
Eben dies ist bei Vorschaltgeräten anders.
Diese werden erforderlich, weil die Gasstrecke in einer Entladungslampe ja alles
andere als eine lineare Charakteristik aufweist.
Vielmehr scheinen diese das Ohmsche
Gesetz auf den Kopf zu stellen. Sie
haben so zu sagen einen negativen Widerstand:
Je höher der Strom, desto kleiner ist der
Spannungsfall an einer solchen Lampe.
Aufgrund dieser Charakteristik lassen sich
Gas-Entladungslampen gar nicht direkt an
einer Spannungsquelle betreiben. Der Strom
würde sonst lawinenartig anwachsen bis es
zum großen Knall kommt. Aufgabe des Vorschaltgeräts
ist es, den Strom einigermaßen
konstant zu halten oder doch wenigstens zu
begrenzen. Der Spannungsfall an der Lampe
stellt sich dann entsprechend ein, denn im
Gegensatz zu einem Transformator liegt ein
einfaches induktives Vorschaltgerät in Reihe
zur Last
Bei einem elektronischen Vorschaltgerät ist
das etwas komplizierter, aber auch dieses ist
speziell auf den Nennstrom der Lampe und
den sich bei diesem Strom einstellenden
Spannungsfall ausgelegt.
Es ist also nicht korrekt, zu behaupten, dass
das Vorschaltgerät für die 70-W-Lampe mit
der 35-W-Lampe nur zu 50 % ausgelastet
wird. Vielmehr gibt es einen bestimmten
Strom vor, sodass eher die 35-W-Lampe, grob
gesagt, zu 200 % „ausgelastet“ ist. Je nach
Nennstrom der Lampen, die der Anfragende
hier gegeneinander austauschen möchte,
kann es etwas weniger, aber auch noch mehr
sein. Das ist ungesund für alle Beteiligten
und spart auch keine Energie.
Was alternativ möglich wäre, um Energie zu
sparen, ist eine begrenzte Absenkung der Betriebsspannung,
wenn es sich um induktive
Vorschaltgeräte handelt, wie in dem ep-
Beitrag „VVG – Vorschaltgeräte in der Beleuchtungstechnik“
[2] sowie auch im Internet
unter leonardo-web.org/de/licht
beschrieben.
Diese Methode ist auch auf Gas-Entladungslampen
anwendbar. Sowohl die Lampen als
auch vor allem die VVG verschiebt man hiermit
in einen günstigeren Betriebspunkt. Insbesondere
in der Straßenbeleuchtung wird
diese Methode häufig eingesetzt. Bei EVG
wiederum kommt es darauf an, was für eine
Regelung eingebaut ist. Für gewöhnlich hat
eine solche Absenkung bei Verwendung
von EVG jedoch nur wenig oder gar keinen
Effekt.
Fassbinder, S.: Tandemschaltung für Leuchtstofflampen. Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 12; S. 10231028.
Fassbinder, S.: VVG Vorschaltgeräte in der Beleuchtungstechnik. Elektropraktiker, Berlin 59 (2005) 4; S. 284287.