Kalibrierung und Nullabgleich von Messgeräten
Müssen Messgeräte, die für Prüfungen nach DIN VDE 701-702 [1] eingesetzt
werden, einen Nullabgleich aufweisen, um die Messleitungen zu berücksichtigen?
Bei den auf dem Markt befindlichen Geräten ist mir aufgefallen, dass einige Geräte diese (für mich sinnvolle und notwendige) Funktion nicht aufweisen.
Genauigkeit bzw. Notwendigkeit des Nullabgleichs.
Zur Prüfung nach DIN VDE 0701-0702 [1] zugelassene Messgeräte müssen den Vorgaben in DIN VDE 0404-2 [2] genügen. Das heißt, sie müssen die laut [2] geforderten Messverfahren gestatten und den betreffenden Messbereichen entsprechen.
Dies muss vom Hersteller in seiner Dokumentation bestätigt werden. Somit wird der Einsatz von Universalprüfgeräten ausgeschlossen sein. Der Anfragende sollte sich darüber beim Hersteller vergewissern.
Es ist zu beachten, dass die Prüfungen nach dieser Norm keine großen Anforderungen an die Messgenauigkeit stellen. Die Grenzwerte, z. B. für den Schutzleiterwiderstand (0,3Ω), sind das Ergebnis von Kompromissen.
Der zu erwartende Ist-Wert von kurzen Anschlussleitungen liegt meist wesentlich unter dem angezeigten Wert und der Ist-Wert des Isolationswiderstands meist wesentlich überdem zugelassenen Grenzwert. Hinzu kommen die bei Erzeugnissen mit Filtern notwendigen vielen Kompromisse (Schutzleiterstrom) und der durch die Norm legitimierte völlige Verzicht auf eine Messung (Isolationswiderstand bei Kleinspannung). Es wäre also widersinnig, an diese Messungen die gleichen Anforderungen bezüglich der Genauigkeit der Messwerte zu stellen, wie beispielsweise im Laborbetrieb.
Vorgaben der Hersteller. Die Angaben der Hersteller sind Empfehlungen. Allgemeingültige Vorgaben existieren nicht. Entscheiden muss allein der Betreiber der Geräte in Abhängigkeit von der Beanspruchung und der Aufgabe der
Messgeräte (geforderte Messgenauigkeit). Es bleibt aus den gleichen Gründen auch dem Betreiber überlassen, ob er die Kalibrierung
- dem Hersteller oder
- einer dafür zugelassenen Institution überträgt oder
- sie mit seinen Mitteln selbst vornimmt, z. B. durch einen Vergleich mit einem dafür von ihm vorgesehenen kalibrierten Gerät.
Die Wahl einer dieser Möglichkeiten hängt ebenfalls von der jeweiligen Prüfaufgabe
bzw. der geforderten Genauigkeit der Messungen ab. Meist bleibt es jedoch bei einer normalen Funktionskontrolle und dabei auch bei einem Vergleich der Anzeigen mehrerer Prüfgeräte.
Fazit. Es wird ausreichen, wenn für die Messgeräte eine eigene Methode der
Prüfung ihrer Funktionsfähigkeit sowie der ausreichenden Genauigkeit ihrer Messwerte festgelegt und diese Verfahrensweise zuverlässig in festgelegten Zeitabständen praktiziert wird. Dazu gehört natürlich auch, dass sich der betreffende Mitarbeiter
- vor jeder Messung einen Überblick über die ordnungsgemäße Funktion des Geräts (Messverfahren) verschafft und
- als Elektrofachkraft beim Beurteilen des Messergebnisses – unter Beachtung der in der Norm zulässigen, aus meiner Sicht sehr großzügigen Abweichungen/Kompromisse – auch die möglichen und damit zulässigen Abweichungen des Messwerts vom Grenzwert berücksichtigt.
Ein Nullabgleich ist in diesem Fall aus meiner Sicht nicht erforderlich. Die dadurch erreichbare höhere Genauigkeit des Messwerts ist in Anbetracht der ohnehin auf Schätzungen und Kompromissen beruhenden Vorgaben sowie der zulässigen Messfehler der Prüfgeräte [2] und des dann erforderlichen Aufwands nicht notwendig oder sinnvoll.
Natürlich liegt dieses Abwägen der Vor- und Nachteile der Messgenauigkeit und eine diesbezügliche Entscheidung immer in der Verantwortung des verantwortlichen Prüfers.
DIN VDE 701-702 (VDE 701-702):2008-06 Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte Allgemeine Anforderungen für die elektrische Sicherheit.
DIN VDE 0404-2 (VDE 0404-2):2002-05 Prüf- und Messeinrichtungen zum Prüfen der elektrischen Sicherheit von elektrischen Geräten Prüfeinrichtungen für Prüfungen nach Instandsetzung, Änderung oder für Wiederholungsprüfungen.