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Leseranfrage

Spannungsbereiche bei Kommunikations- und IT-Anlagen trennen

Ausgabe 6/2013

Ich arbeite in einem Unternehmen, das Telefonanschlüsse bis zur ersten TAE

installiert. In (relativ) neu gebauten Häusern kommt es immer öfter vor, dass die Elektriker die IT-Verkabelung in die Haus/Wohnungsverteilung legen. Um diese Leitungen durchschalten zu können, muss die Verteilung geöffnet werden. Dabei ist es nicht selten, dass eine Trennwand oder ein besonderer Berührungsschutz zwischen 230/400 V und der IT-Verkabelung fehlen. Es ist auch schon

vorgekommen, dass man eine „gewischt“ bekommt.

Ist der beschriebene Aufbau ohne Trennung der Spannungsbereiche zulässig?

Genügt in solchen Fällen eine Unterweisung der Mitarbeiter oder sind Arbeiten an den

Verteilungen mit einer Mängelanzeige abzulehnen?

Aufgrund des zunehmenden Einsatzes von Unterhaltungs-, Kommunikations- und Informationstechnik in Wohngebäuden stellt sich immer häufiger die Frage, wie die dazu notwendigen Geräte, Verteilanlagen und Leitungsverbindungen in zentralen Einrichtungen oder in Kommunikationsfeldern von Verteilern sowie von Zählerplätzen zusammengefasst werden können. Der Vorteil ist in dem problemlosen Zugang zu den einzelnen Komponenten zu sehen. Damit sind spätere
Umschaltungen der Leitungsverbindungen oder ein Austausch der Komponenten, z.B. bei Anwendung von neuen Technologien oder bei Erweiterungen, jederzeit mit geringem Aufwand durchführbar.
Zu beachten sind dabei die Anforderungen an die sichere Trennung der mit Kleinspannung betriebenen Stromkreise für die Unterhaltungs-, Kommunikations- und Informationstechnik von aktiven Teilen anderer Stromkreise. Zudem darf die nach DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [1] für Kleinverteiler und Zählerplätze zwingend geforderte Schutzisolierung nicht beeinträchtigt werden.
Anforderungen an Kleinspannungsstromkreise. Allgemeine Anforderungen an die Trennung von SELV- oder PELV-Kleinspannungsstromkreisen sind im Abschnitt
414.4 der DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [2] festgelegt. Danach müssen SELV- und PELVStromkreise eine sichere Trennung von den aktiven Teilen anderer
Stromkreise, die nicht SELV- oder PELV-Stromkreise sind, durch ein Vorsehen von doppelter oder verstärkter Isolierung oder durch Basisisolierung und Schutzschirmung für die jeweils höchste vorkommende Spannung aufweisen.
Die sichere Trennung der Kabel- und Leitungsanlagen für SELV- und PELV-Stromkreisen von den aktiven Teilen anderer Stromkreise, die mindestens eine Basisisolierung aufweisen müssen, kann unter anderem durch eine der folgenden Maßnahmen erreicht werden:

  • Die Leiter der SELV- oder PELV-Stromkreise müssen zusätzlich zur Basisisolierung von einem nicht metallischen Mantel oder einer isolierenden Umhüllung umschlossen sein.
  • Die Leiter der SELV- oder PELV-Stromkreise müssen von Leitern des Spannungsbereichs II (mit einer höheren Spannung als AC 50 V oder DC 120 V) durch einen geerdeten metallenen Mantel oder durch eine geerdete metallene Schirmung getrennt sein.
  • Die Leiter der SELV- oder PELV-Stromkreise müssen räumlich von den aktiven Teilen anderer Stromkreise getrennt sein.

Nähe zu anderen elektrischen Anlagen. Die vorstehenden Aussagen aus der DIN VDE 0100-410 [2] werden durch die Festlegungen im Abschnitt 528.1 der DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520) [3] ergänzt. Danach dürfen Stromkreise mit Spannungen der Spannungsbereiche I (≤ AC 50 V oder ≤ DC 120 V) und II (> AC 50 V oder > DC 120 V) nicht in derselben Kabel- und Leitungsanlage verlegt sein. Ausnahmen von dieser Anforderung sind nur dann zulässig, wenn mindestens eine der folgenden Maßnahmen angewendet wird:

  • Jedes Kabel und jede Leitung ist für die höchste vorkommende Spannung isoliert.
  • Jeder Leiter eines mehradrigen Kabels oder jeder mehradrigen Leitung ist für diehöchste in dem Kabel oder der Leitung vorkommende Spannung isoliert.
  • Die Kabel und Leitungen sind entsprechend ihrer Bemessungsspannung isoliert sowie in getrennten Abschnitten eines Elektroinstallationskanals verlegt.
  • Es werden getrennte Elektroinstallationsrohre oder -kanäle verwendet.

Zusätzlich zur Sicherstellung der elektrischen Trennung können Maßnahmen zur elektromagnetischen Verträglichkeit erforderlich sein, z. B. nach DIN EN 50174-2 (VDE 0800-174-2) [4].
Trennung innerhalb von Verteilern. Ein Hinweis auf die innere Unterteilung und die Trennung von Stromkreisen in Verteilern findet sich im Abschnitt 7.7 der DIN EN 60439-3 (VDE 0660-504) [5]. Dort heißt es unter anderem sinngemäß:
Die Leiter von Stromkreisen mit Schutzkleinspannung müssen

  • in getrennten Abteilungen untergebracht werden oder
  • von den Leitern in Stromkreisen mit abweichenden Spannungen anhand einer metallene Abschirmung getrennt sein, die mit dem Schutzleiter verbunden ist.

Nicht notwendig ist eine Trennung, wenn die einzelnen Leiter bzw. die Leiter in Mehraderleitungen oder in Leitungsbündeln für die höchste vorkommende Spannung (Außenleiter gegen Erde) isoliert sind.
Zusammenfassung. Der in dem mit dieser Anfrage zur Verfügung gestellten Bild (1) gezeigte Kleinverteiler mit den niederspannungs- und informationstechnischen Anlagen entspricht nicht den anerkannten Regeln der Technik. Die zuvor erläuterten normativen Anforderungen an die sichere Trennung zwischen SELV- und PELV-Kleinspannungsstromkreisen sowie den aktiven Teilen von Stromkreisen mit höherer Spannung sind nicht erfüllt.
Eine entsprechende Unterweisung der Mitarbeiter über die normativen Anforderungen und die möglichen Gefahren ist in jedem Fall erforderlich. Weiter ist zu beachten, dass Arbeiten an diesen Verteilern, die bei abgenommenen Abdeckungen ausgeführt werden müssen, nur von Elektrofachkräften vorgenommen werden dürfen. Die Verteiler müssen zuvor unter Einhaltung der fünf Sicherheitsregeln frei geschaltet werden, sodass es nicht vorkommen kann, wie in der Anfrage formuliert, dass ein Mitarbeiter einen elektrischen Schlag
bekommt.
Der Eigentümer oder Betreiber der nicht normgerecht errichteten Anlagen ist schriftlich auf die vorhandenen Mängel hinzuweisen. Es ist dringend zu empfehlen, alle Arbeiten an derartigen Verteilanlagen abzulehnen, bis die Mängel z. B. durch den Einbau einer zusätzlichen Trennung behoben sind.
Bei Neuinstallationen sollten ausschließlich Verteiler oder Zählerfelder mit zusätzlichem Kommunikationsfeld vorgesehen werden, damit eine eindeutige Trennung der Systeme gewährleistet ist (Bild (2)).

Bilder

Bild 1

Bild 2

Literatur:

DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1):1991-10 Installationskleinverteiler und Zählerplätze AC 400 V.

DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007- 06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.

DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520): 2003-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kapitel 52: Kabel- und Leitungsanlagen.

DIN EN 50174-2 (VDE 0800-174- 2):2001-09 Informationstechnik – Installation von Kommunikationsverkabelung – Teil 2: Installationsplanung und Installationspraktiken in Gebäuden.

DIN EN 60439-3 (VDE 0660-504):2002-05 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – Teil 3: Besondere Anforderungen an Niederspannungs- Schaltgerätekombinationen zu deren Bedienung Laien Zutritt haben – Installationsverteiler.