Verlegung von Kabeln/Leitungen unter einer bodengleichen Dusche
Wir haben in einem neu errichteten Einfamilienhaus die Elektroinstallation vorgenommen.
Nun haben wir bei Restarbeiten gesehen, dass sich der Hausbesitzer dafür entschieden hat, eine bodengleiche Dusche einzubauen. Diese befindet sich in der Ecke, in der auch der Versorgungsschacht für die Elektro- und Sanitärleitungen angeordnet ist.
Laut Aussagen von Bauherr und Architektin wurde dieser Schacht mit einer Wandstärke > 6 cm ummauert. Im Schacht liegen ein Versorgungkabel für den Dachboden sowie Antennenkabel. Des Weiteren liegen vier Zuleitungen (NYM 3 x 1,5 mm²) im Schutzrohr unterhalb des Estrichs (> 10 cm) an der Stelle, an der jetzt die bodengleiche Dusche steht.
Alle Leitungen sind über LS-Schalter (16 A; Typ B) und RCDs (30 mA) abgesichert. Soweit es aus den DIN-VDE-Vorschriften zu entnehmen ist, fängt der Schutzbereich bei einer bodengleichen Dusche erst an der Oberkante des fertigen Fußbodens (OKFF) an. Dürfen die Leitungen so wie beschrieben verlegt sein?
Sollte die an einem Kunststoffrohr angeschlossene Ablaufrinne aus Edelstahl mit in den Potentialausgleich einbezogen werden?
Ich habe bei dieser Ausführung kein gutes Gefühl und hätte bei vorheriger Kenntnis über die Duschenanordnung auch nicht so verlegt. Änderungen wären jedoch nur mit großem Aufwand möglich, da das Haus mittlerweile komplett fertig ist.
Ich gebe zu, dass die VDE-Bestimmungen nicht immer einfach zu handhaben sind. Wenn man etwas sucht, findet man es nicht – das geht mir genauso. Manchmal sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
Fakt ist aber, dass es in einer Anmerkung zum Abschnitt 701.512.3 in DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701) [1] eine klare Aussage zu der hier gestellte Frage gibt. Darin heißt es:
„Anmerkung
Unter der Oberfläche des Fertigfußbodens oder auf dem Rohfußboden verlegte Kabel oder Leitungen fallen nicht in den Anwendungsbereich dieser Norm; für deren Verlegen gelten allgemein die Anforderungen nach DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520).“
Somit wäre formal weder die Mindestverlegetiefe zu berücksichtigen, noch ist für diese Stromkreise ein zusätzlicher Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom von maximal 30 mA gefordert, obwohl Letzteres sinnvoll ist.
Somit ist die vorhande Verlegevariante zulässig. Des Weiteren gilt, dass die Bereiche 1 und 2 in Räumen mit Badewanne oder Dusche an der Oberkante des fertigen Fußbodens (OFFK) beginnen – d. h., unterhalb des Fliesenbelags liegen die Kabel/Leitungen außerhalb der Bereiche.
Ich persönlich habe bei den unter einem Fliesenbelag oder auf Rohbeton verlegten Kabeln/Leitungen weniger Bedenken, als bei einer Velegung in der Wand ohne Einhaltung der Mindestverlegetiefe. Der Fußboden in einer Dusche wird im Gegensatz zu den Wänden nur sehr selten angebohrt.
Weitere Informationen hierzu lassen sich auch der VDE-Schriftenreihe 67a [2] entnehmen. Bezüglich des Schutzpotentialausgleichs an der Edelstahl-Ablaufrinne gilt, dass diese Rinne zwar leitfähig ist, aber nicht als fremdes leitfähiges Teil angesehen werden muss, weil sie sich nur im Raum befindet und damit ein Potential nicht einführen kann. Außerdem sei darauf hingewiesen, dass bereits seit 2008 auf den zusätzlichen Schutzpotentialausgleich in Räumen mit Badewanne und Dusche vollständig – nicht nur an der Badewanne oder Duschwanne – verzichtet werden darf, wenn der Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene im betreffenden Gebäude geführt wird. Dieser Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene ist mindestens seit 1970 verpflichtend.
DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701):2008-10 Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 7-701: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art Räume mit Badewanne oder Dusche.
Hörmann, W.; Schröder, B.; Schulze, B.: Errichten von Niederspannungsanlagen in Räumen mit Badewanne oder Dusche Kommentar der DIN VDE 0100-701 (VDE 0100 Teil 701):2008-10. VDE-Schriftenreihe 67a; 3. Auflage. Berlin: VDE-Verlag 2010. W. Hörmann Voraussetzungen und Eignung für das Prüfen elektrischer Geräte